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Projekt „Zeitzeugen“

Während eines Treffens mit meinem Kollegen Kamil, den ich schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte, sprachen wir über Geschichtspolitik, Erinnerung und Verpflichtung. Themen, welche uns beide -ohne es zu wissen- in letzter Zeit gemeinsam beschäftigte. Ich bin überzeugt, dass wir keine Ausnahme sind. Dass auch andere das Bewusstsein haben, dass wir die dritte Generation, zugleich die letzte war, die bewusst den Zeugen gegenüber treten konnte. Ich vermute auch andere Menschen stellen sich die Frage: Was wird, wenn kein Überlebender des deutschen Naziregimes mehr sprechen wird, wenn kein Überlebender Zeugnis ablegen kann?. Es scheint als würden die vorhandenen Beweise der Verbrechen des Faschismus mit den Zeugen gehen.

Es liegt an uns dieses Vermächtnis der Erfahrung für die nächsten Generationen zu sichern.
An dem Thema haben wir beide sowohl ein persönliches als auch politisches Interesse. Wir sehen es als eine Art Auszeichnung aber vor allem Verpflichtung den Überlebenden gegenüber.

Zu Beginn unserer Recherchen hatten wir vor die noch lebenden ehemaligen Häftlinge des KL Buchenwald zu befragen. Dies deshalb, weil wir hier bereits Kontakte zu Überlebenden hatten. Mit der Zeit haben wir aber gemerkt, wie komplex das Thema ist, welches wir behandeln. Dass es nicht in eine klar umgrenzte Periode von 1933-1945 eingeschrieben werden kann, sondern grundlegende Probleme des Jahrhunderts betrifft. Wir begriffen das erst mit weiteren Recherchen und Gesprächen.
Darüber hinaus ist es gegenwärtig sehr schwer Überlebenden zu finden die gesundheitlich noch in der Lage sind die Schmerzen der Erinnerung in einem Gespräch zu verkraften. So haben uns zwei Frauen aus Polen aufgrund der Aufregung die mit einem Gespräch über ihre Zeit während des Warschauer Aufstandes und anschließendem Transport nach Auschwitz und Buchenwald absagen müssen, in der Hoffnung dass es ihnen im Frühjahr besser geht. Von den wenigen die noch leben sind viele gesundheitlich einfach nicht mehr in der Lage ein Gespräch über das was passiert ist zu führen.

Dies war einer der Gründe, warum wir uns entschlossen haben, Häftlinge aus anderen Konzentrationslagern zu erreichen. Und angesichts der Problematik auch die Zeit vor dem Ausbruch des Zweiten Krieges, insbesondere den Spanischen Bürgerkrieg in die Betrachtungen der Auseinadersetzung mit dem Faschismus in Europa zu erweitern. ,

Unser Ziel ist die Botschaft der Überlebenden Häftlinge an die vierte Generation die nicht mehr das Privileg erhalten wird mit den Überlebenden sprechen zu dürfen festzuhalten. Das wollen wir durch Wort, Bild und Schrift, insbesondere durch Aufnahme von Gesprächen mit den Zeugen möglich machen.

Am Anfang des Jahres hatten wir unser erstes Interview mit Władysław Koźdoń, einem Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald. Weitere Gesprächs-Termine stehen bereits fest bzw. sind in Planung. Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn andere das Projekt unterstützen, uns Hinweise geben oder Kontakte vermitteln können. Wenn dies der Fall ist und ihr uns unterstützen wollt oder Euch auf irgendeine Art und Weise in das Projekt mit einbringen möchtet, dann meldet Euch.

Die Bilder könnt ihr zunächst erstmal hier in der Galerie betrachten. Die Ergebnisse unserer Arbeit wollen wir zu einem geeigneten Zeitpunkt in Buchform präsentieren. Die Gespräche werden parallel auf der Website des JournalistInnen-Kollektivs „Krise und Kritik“ veröffentlicht.
www.krise-und-kritik.de