Interview zum Projekt

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Alex: Hallo Andreas, stell Dich doch mal kurz vor!

Andreas Domma: Kurz und knapp, ich bin 25 Jahre alt, komme aus Berlin und bin Fotograf.

Alex: Wolltest du schon immer Fotograf werden?

Andreas Domma: Nicht wirklich, wer weiss als Kind schon, was er später mal werden möchte, ausser Polizist oder Astronaut, was für mich allerdings nie in Frage kam.

Das begann bei mir alles viel später. 2006 war ich fertig mit meiner schulischen Laufbahn und hatte auch schon eine Ausbildung absolviert. Von meinem Vater bekam ich damals meine erste Kamera (Sigma SD-9) geschenkt. Ich probierte mich mit der Kamera aus und dachte mir: „Mensch, das wär vielleicht was.“ Allerdings war es erstmal nur ein Traum, deshalb habe ich mich auch nur aus Spass und Neugierde mit einer Mappe für eine Ausbildung zum Fotograf beworben. Meine Bilder kamen gut an und ich hatte plötzlich eine Ausbildungsstelle, die ich im Sommer 2010 erfolgreich abgeschlossen habe.

Alex: Was soll das für ein Projekt sein ?

Andreas Domma: Es ist ein freies Projekt und für mich einer der ausschlaggebenden Punkte, weshalb ich überhaupt Fotograf geworden bin. So konnte ich mein privates politisches Interesse mit meinem Beruf verbinden.

Nun bin ich einer von vielen Fotografen, die heutzutage auf einer Demonstration fotografieren. Man könnte glauben, manchmal wären es mehr Fotografen als Demonstranten. Was ich in erster Linie nicht unbedingt schlecht finde, da viele Augen oft mehr sehen als eins. Fast jeder der Fotografen hat dabei sein eigenes Ziel oder Projekt, wie zum Beispiel Bilder zu produzieren, die er auch verkaufen kann, um davon zu leben. Unabhängig vom wirklichen Geschehen bei solchen Ereignissen, sind es jedoch meist Bilder von brennende Mülltonnen, Barrikaden oder fliegenden Steinen usw., die sich gut verkaufen lassen. Diese Bilder werden meist missbraucht und im falschen Kontext präsentiert, sie werden teilweise sogar gezielt eingesetzt, um bestimmte Themen oder Ereignisse zu diffamieren. Wie beispielsweise die Bilder, die während der Räumung des Hausprojekts „Liebig 14“ am 02.02.2011 in Berlin-Friedrichshain gemacht worden. Einige Medien sind scheinbar einfach nur daran interessiert, das Wort „Chaoten“ in ihren Schlagzeilen unterzubringen.

Ich möchte nicht, dass meine Bilder Teil einer solchen Manipulation werden. Das ist auch ein wesentlicher Grund, weshalb dies ein freies Projekt für mich ist, ich möchte mit dem Projekt unabhängige Reportage betreiben.

Der Grundgedanke war anfangs, Demonstrationen einfach nur zu dokumentieren und Konfliktsituation festzuhalten. Festnahmen sind für mich zum Beispiel immer interessant, da die Polizei sich oft anders verhält, sobald sie merken, dass Fotografen die Situation beobachten.

Mittlerweile versuche ich, durch einzelne Bilder die Situation festzuhalten. Wobei mir die Gesichter sekundär erscheinen, um das Geschehen auf einem Bild zu erfassen. Meiner Meinung nach bedarf es nicht immer einer scharfen Abbildung des Gesichts, um in einem Bild die Stimmung festzuhalten. Man sollte auch immer Rücksicht auf die Zukunft der Menschen nehmen, die man da fotografiert.

Wieso dann nicht gleich so fotografieren, dass man gar keine Gesichter zensieren muss, dachte ich mir und probiere es auch seitdem. Das geht natürlich nicht immer, aber ich versuche in diesem Projekt einen Stil zu entwickeln, der in diese Richtung geht. Immer mit dem Anspruch, nicht der Programmautomatik und wildem Herumgeknipse zu verfallen. Mein Ziel ist es, bewusst zu fotografieren, um auf ein ausdruckstarkes Bild oder einen eigenen Stil hinzuarbeiten.

Ich möchte also in diesem Projekt einerseits Stimmungen und Emotionen auf Demonstrationen oder anderen Aktionen einfangen, andererseits aber auch die Ausübung des Gewaltmonopols der Polizei bei Festnahmen und das Verhalten der Polizei gegenüber Demonstrationsteilnehmern und der Presse festhalten. Am liebsten wäre ich dabei an allen Orten gleichzeitig, das geht aber leider nicht immer.

Alex: Verdienst du damit Dein Geld?

Andreas Domma: Nein, es ist auch nicht mein direktes Ziel, damit Geld zu verdienen. Es ist, wie schon erwähnt, ein freies Reportage-Projekt, in dem es mir eher darum geht, andere Perspektiven, Mittel und Wege aufzugreifen. Dem Druck, auf der Suche nach einem Bild, was sich verkaufen lässt, zu entgehen, um meinen eigenen Stil zu entwickeln.

Ich bin also auf einer Demonstration oder Veranstaltung und mache dort Bilder, weil es für mich persönlich wichtig oder interessant ist, nicht weil ich Bilder verkaufen muss.

Andererseits freue ich mich natürlich auch, wenn alternative, unabhängige Medien mich fragen, ob ich hier und da mal Bilder für sie machen könnte und ich für den Aufwand auch dementsprechend entschädigt werde.

Unabhängig von dem Geld ist es aber auch einfach gut zu wissen, dass man mich anfragt, weil meine Bildsprache gefällt. Das zeigt mir, dass der Weg, den ich gehen möchte, richtig ist.

Alex: Meinen Informationen nach ist es heute nicht mehr so einfach als Foto-Journalist seinen Unterhalt zu verdienen, sinkende Vergütung der Bildhonorare soll unter anderem ein Grund dafür sein!?

Andreas Domma: Ja, das stimmt, das ist ein Grund. Ich finde die momentane Entwicklung der Bildhonorare überhaupt nicht gut. Durch die pauschale Honorierung von Fotografen wollen sich Redaktionen/Verlage mit einer einmaligen Zahlung mehrere Bildrechte einverleiben. Es ist heutzutage also sehr schwer, Geld in diesem Bereich der Fotografie zu verdienen, ohne dass man sich dem voll und ganz hingibt. Mein Anliegen ist es deshalb auch, meine Preise dem Aufwand entsprechend anzupassen, nicht mehr und nicht weniger. Der Weg, am Honorar des Fotografen zu sparen, ist in meinen Augen einfach der falsche.

Ich möchte auch nicht der Fotograf sein, der einen Job kriegt, weil er günstiger ist, als der andere Fotograf. Wo soll das denn enden? So unterbieten wir uns ja alle gegenseitig.

Alex: Wie soll es weiter gehen ?

Andreas Domma: Das weiß ich ehrlich gesagt auch noch nicht genau. Eine Galerie ist mir erst mal sehr wichtig, so kann man sich immer einen aktuellen Überblick über meine Arbeiten verschaffen. Ansonsten werde ich sehen, was sich so ergibt. Gewisse Pläne und Ideen habe ich natürlich schon, die sind allerdings noch nicht spruchreif. Bei Neuigkeiten werde ich mich aber sofort melden.

Alex: Vielen Dank für das Interview Andreas, wir werden bestimmt mal wieder voneinander hören.

Andreas Domma: Vielen Dank für das Interesse.